Arbeitsloser an Jobcenter: "Sie dürfen nicht vergessen, dass da ein Mensch vor ihnen steht."

Arbeitsloser an Jobcenter: "Sie dürfen nicht vergessen, dass da ein Mensch vor ihnen steht."

Der Arbeitslose Jens Rodtko bekommt vom Kölner Jobcenter einen Besuch abgestattet, um seine Lebensumstände zu überprüfen. Doch wie sich der Besuch dann abwickelt, hätte sich der 34-Jährige wohl nicht träumen lassen...

Die Situation als Arbeitsloser ist sicherlich keine leichte – nicht jeder Arbeitssuchende lässt es sich mit Steuergeldern am Strand gutgehen. Ein erfolgloser Bewerbungsprozess zerrt nicht nur an den Nerven, sondern auch am Selbstwertgefühl einer Person. Wenn dann einmal ein Job in Aussicht steht, wie es bei dem ehemaligen LKW-Fahrer Jens der Fall war, reicht oftmals eine Kleinigkeit, um doch noch dazwischenzukommen. Ist man dann erst mal Langzeitarbeitsloser, ist mit einem Besuch des Jobcenters fast schon zu rechnen, wie es auch Jens Rodtko passiert ist. 

Das Amt unterstützt Jens Rodtko 

Jens Rodtko ist gelernter Beikoch. 2014 zieht er aus seiner Heimat Bad Driburg bei Paderborn nach Köln, in der Hoffnung, dort bessere Chancen zu haben einen Job zu finden. Die Suche bleibt erfolglos und das Amt greift dem Arbeitslosem unter die Arme. 

Er bezieht 15 Euro Mietzuschuss, da er bei einem Bekannten zur Untermiete lebt, und erhält 424 Euro, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Da es anscheinend im Umfeld der beiden Männer Menschen gibt, denen das Zusammenleben der Zwei ungewöhnlich erscheint, wird das Jobcenter von diesen Unbekannten informiert, wie Rodtko und sein Mitbewohner erklären: „Ich vermute, dass uns jemand beim Jobcenter angeschwärzt hat. Wir sollen angeblich ein eheähnliches Verhältnis haben. Das stimmt aber nicht.“ 

Das Kölner Jobcenter stattet dem Arbeitslosen einen Besuch ab 

Gegenüber Express.de berichtet Rodtko, wie dieser Besuch abläuft: „Es kamen zwei Mitarbeiterinnen, von denen mich eine sofort von oben herab behandelt hat. Als ich wissen wollte, was los ist, wurde eine der Frauen sofort pampig. «Sie haben sich hier zu benehmen», hat sie zu mir gesagt. Mir geht es um die Art und Weise, wie mit Menschen umgegangen wird.“ 

Auch den Aufwand, den das Amt betreibt, um den zur Untermiete lebenden Harzt-IV-Empfänger zu kontrollieren, versteht Rodtko nicht. Er heiße es grundsätzlich gut, dass das Amt gegen Sozialbetrüger vorgeht, doch bei ihm handele es sich schließlich nicht um viel Geld: „Das alles für 15 Euro? Hätte ich mir eine eigene Wohnung gesucht, wäre das für das Amt doch teurer geworden. Ich finde den ganzen Aufwand fragwürdig.“ 

5.000 Einsätze im Jahr 

Gegenüber Express erklärt das Jobcenter, dass es im Jahr zu 5.000 solcher Einsätze des Bedarfsfeststellungsdienstes (BFD) kommt. Der Außendienst helfe, um die Situation des Antragstellers vor Ort zu sehen und so ungenügende oder verwirrende Angaben des Betroffenen zu aufzuklären. 

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Ob der Einsatz bei Jens Rodtko nun wirklich nötig war oder nicht, Rodtko betont gegenüber Express, dass ihm vor allem ein gegenseitig respektvoller Umgang wichtig ist: „Sie (Anm.d.R.: die Bemate) dürfen nicht vergessen, dass da ein Mensch vor ihnen steht.“

Sarah Kirsch
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