Virologe Drosten fordert: Jeder sollte Kontakt-Tagebuch führen

Die Intensivstationen beginnen sich stark zu füllen trotz verstärkten Lockdowns. Virologe Christian Drosten fordert einen Strategiewechsel der Gesundheitsbehörde und besteht auf Kontakt-Tagebücher.

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Die Lage in Deutschland spitzt sich immer mehr zu in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie. Intensivstationen bekommen täglich Zuwachs von Patienten und die Betten werden immer weniger. Das lässt nun auch Experten beunruhigt werden.

Strategiewechsel der Gesundheitsbehörde notwendig

Virologe Christian Drosten, der bereits im Frühjahr einen Winter-Lockdown vorausgesagt hat, spricht beispielsweise bereits davon, dass wir auf eine Triage-Situation zusteuern. Dieser extreme Ausnahmefall würde bedeuten, dass im Falle von Engpässen bei Intensivstationen entschieden werden müsste, welcher Patient den Vorzug bekäme. Eine Situation, die hoffentlich nicht eintreten wird.

Auch wenn Drosten von Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens für seine Äußerung zur Triage kritisiert, so bleibt es ein Fakt, dass Covid-Infektionen mit schwerem Verlauf drastisch ansteigen. Drosten sieht die Notwendigkeit in einem Strategiewechsel der Gesundheitsbehörde. Bisher wurden von Infizierten die Kontaktpersonen isoliert und häusliche Quarantäne verschrieben.

Fall-Nester müssen ausfindig gemacht werden

Doch 80 Prozent der Verbreitung des Coronavirus geht auf 20 Prozent von Infizierten zurück, wie das bei sogenanneten Superspreader-Events der Fall ist. Der Rest würde in der Regel nur wenige Einzelpersonen infizieren, wie ntv berichtet.

Zudem würde das Ergebnis eines positiven Tests meist zehn Tage nach der Infektion, sprich gegen Ende des Krankenverlaufs erst vorliegen. Die Nachverfolgungen seien daher unzureichend, so Virologe Drosten. Der Ursprung der Infektion sollte ausgemacht werden - das heißt Cluster und Fall-Nester.

Die Nachverfolgungen von Covid-19-Clustern sind unzureichend - ein Kontakt-Tagebuch könnte helfen.  David Ramos@Getty Images

Kontakt-Tagebücher führen

Um diese jedoch nachprüfen zu können, müssten wir genau wissen, wen wir in den letzten zehn Tagen gesehen haben, doch die wenigsten von uns können sich mit Sicherheit an die Details der letzten eineinhalb Wochen erinnern.

Der Vorschlag des Virologen Drosten lautet daher: Am besten sollte jeder von uns ein Kontakt-Tagebuch führen. Falls eine Begegnung eher ungewöhnlich oder kritisch war, kann man diese darin vermerken und später besser nachverfolgen.

Was sich in der Theorie vielleicht logisch anhört, ist in Wirklichkeit schwieriger zu bestimmen. Die Frage stellt sich nämlich, ob und inwiefern die Menschen das auch wirklich machen würden...