Impfstoff-Knappheit und trotzdem verliert Deutschland 70 Millionen Impfdosen
Impfstoff-Knappheit und trotzdem verliert Deutschland 70 Millionen Impfdosen
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Impfstoff-Knappheit und trotzdem verliert Deutschland 70 Millionen Impfdosen

Die Kritik an der europäischen Impfkampagne wird immer lauter und es kommen zunehmend neue Informationen ans Tageslicht, die beweisen, wie es zu der aktuellen Impfstoff-Krise kommen konnte – jedoch ohne Einsicht der EU.

Seit Ende Dezember kann in Deutschland endlich gegen das Coronavirus geimpft werden, doch so groß die Euphorie am Anfang noch war, desto ernüchternder wirkt die aktuelle Bilanz: Es gibt nicht genug Impfdosen. Die Schuld sehen viele in der europäischen Organisation der Impfkampagne.

Bundesgesundheitsminister Spahn sucht jetzt nach Lösungen, wie sich aus den vorhandenen Impfstoffdosen mehr gewinnen lassen. Währenddessen wird die Kritik an der Bundesregierung immer lauter, die angeblich ihre Rolle im Corona-Impfdebakel spielt...

Ist die EU schuld an der deutschen Impfstoff-Krise?

Wie sie sich nun herausstellt, hatte Deutschland ursprünglich viel mehr Impfdosen, die sie jedoch an die EU abgetreten hat. Genauer gesagt, sichert sich Deutschland zunächst 100 Millionen Dosen des BioNTech-Impfstoffes, den die anderen EU-Staaten jedoch nicht haben wollen.

Als dann im November klar wird, dass BioNTech Spitzenreiter ist, steht die EU quasi ohne Impfdosen dar und verlangt von Deutschland ihren Anteil. Deutschland willigt ein und überlässt den anderen Staaten 70 der 100 Millionen Impfdosen.

Die Impfstoff-Knappheit bringt nun auch Deutschland in Bedrängnis. cottonbro@Pexels

Fördergelder ohne Gegenleistung

Nun wird die Kritik am Vorgehen Deutschlands immer lauter. Schon im Sommer soll es nämlich Streit in der Regierung gegeben haben in Bezug auf die Frage, ob man sich weitere BioNTEch-Impfdosen sichern solle.

Stattdessen habe man dem Mainzer Pharmaunternehmen Fördergelder in Höhe von 375 Millionen Euro zugesagt, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen. Die Begründung der Bundesregierung lautet damals:

Es sei grundsätzlich wichtig, dass die Förderung von Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln aus Steuermitteln auch zu einer verbesserten Versorgung in und für Deutschland führt.

Die EU weist die Schuld von sich

Die EU-Kommission will von den Vorwürfen nichts wissen und schiebt nun BioNTech mit dem Vorwurf von Lieferschwierigkeiten die Schuld in die Schuhe. Der Vertreter der EU-Kommission in Deutschland, Jörg Wojahn, erklärt in einem Brief an die Abgeordneten:

Die Verhandlungen mit Biontech liefen zu einem Zeitpunkt, als noch nicht ansatzweise sicher war, dass der Impfstoff die notwendige Wirksamkeit hat (...) Wäre dies zu so einem frühen Zeitpunkt objektiv ersichtlich gewesen, hätte die gesamte Welt frühzeitig Biontech.

Fakt ist jedoch, dass sich wie Deutschland viele Länder bereits Mitte des Jahres große Mengen des BioNTech-Impfstoffs gesichert haben. Darunter die USA am 22. Juli mit 600 Millionen Dosen und Japan am 31. Juli mit 120 Millionen Dosen. Wäre die EU also nicht auf Nummer sicher gegangen, hätte Deutschland nun keine Engpässe bei den Impfdosen.

Von Maximilian Vogel
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