Covid-19: Aspirin erhöht doch nicht die Überlebenschancen

Frühe Ergebnisse einer der größten britischen Studien haben gezeigt, dass Aspirin wider Erwarten die Überlebenschancen bei Covid-19-Infektionen doch nicht erhöht.

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Eine der größten britischen Studien zu möglichen Behandlungen gegen das Coronavirus hat ergeben, dass Aspirin doch nicht die Überlebenschancen von schwer erkrankten Covid-19-Patient:innen erhöht.

Schützt Aspirin vor Covid?

Das Medikament, welches sowohl als Schmerzmittel als auch als Blutverdünner wirkt, wurde in der Vergangenheit häufig eingesetzt, um Blutgerinnseln bei verschiedenen Krankheiten vorzubeugen.

Daher gingen Forschende davon aus, dass die gleiche Wirksamkeit auch bei Covid-19 helfen könnte. Doch Untersuchungen von 15.000 Covid-Patient:innen haben ergeben, dass Aspirin keine wirkliche Hilfe darstellt. Peter Horby, Co-Leiter der Studie, erklärt:

Auch wenn Aspirin mit leicht gesteigerten Überlebenschancen in Verbindung gebracht wird, scheint dies nicht ausreichend, für einen breiten Einsatz bei Patienten, die mit Covid-19 im Krankenhaus liegen.
Neue Studie zeigt, dass Aspirin doch nicht die Überlebenschancen bei Covid-19 vergrößert. HalGatewood.com@Unsplash

Enttäuschung bei den Forschenden

Für die Studie verabreichten die Forschenden der Hälfte der Patient:innen für 28 Tage 150 mg Aspirin pro Tag, während die restlichen als Kontrollgruppe behandelt wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass das Medikament die Sterblichkeitsrate nicht verbessert.

Allerdings konnten die mit Aspirin Behandelten im Schnitt einen Tag früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, als diejenigen, die kein Aspirin eingenommen haben.

Die Forschenden fanden zudem heraus, dass es auf tausend Patient:innen mit Aspirin-Behandlung in sechs Fällen weniger zu Blutgerinnsel gekommen ist als ohne Aspirin.

Martin Landray, Professor für Medizin und Epidemiologie an der Oxford University und einer der leitenden Autoren der Studie, erklärt in diesem Kontext:

Die Annahme ist groß, dass Blutgerinnsel für die Verschlechterung der Lungenfunktion und den Tod bei Patienten mit schwerem Covid verantwortlich sind. Aspirin ist ein erschwingliches und bei anderen Krankheiten viel eingesetztes Mittel, um das Risiko von Blutgerinnseln zu reduzieren, daher ist es enttäuschend, dass es keinen besonderen Einfluss auf diese Patienten hat

Aspirin wird nicht als einziges Medikament unter die Lupe genommen

Bei der Studie mit dem Titel "RECOVERY" wurde nicht nur Aspirin als mögliches Covid-Mittel untersucht. Die Forschenden nahmen auch die Wirkung des Antibiotikums Azithromycin, des Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin, des Entzündungshemmers Tocilizumab und des Steroids Dexamethason unter die Lupe.

Leider zeigte die Studie für die Patient:innen keinerlei Verbesserung, weder bei Azithromycin noch bei Hydroxychloroquin. Tocilizumab hingegen scheint die Überlebenschancen deutlich zu erhöhen und auch Dexamethason hat laut der Studie positive Auswirkungen auf die Überlebenschancen.

Die Ergebnisse der RECOVERY-Studie werden nun überprüft und sollen anschließend im medizinischen Fachmagazin medRxiv erscheinen. Bis dahin heißt es noch abwarten.