Chloroquin im Kampf gegen Corona: Mediziner warnen vor Trumps Wundermittel
Chloroquin im Kampf gegen Corona: Mediziner warnen vor Trumps Wundermittel
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Chloroquin im Kampf gegen Corona: Mediziner warnen vor Trumps Wundermittel

Der amerikanische Präsident Donald Trump preist das Medikament Chloroquin bereits als Wundermittel an, doch kann es im Kampf gegen das Coronavirus wirklich zur Geheimwaffe werden? Wir verraten euch mehr.

Chloroquin ist ein günstiges Medikament, das im Kampf gegen Malaria angewandt wird. Auch im Kampf gegen Covid-19 soll das Mittel wirksam sein und einige Mediziner und Regierungen setzen auf das Mittel als neue Wunderwaffe. Doch ist die Wirksamkeit wirklich belegt?

Unter Wissenschaftlern umstritten

In unserem Nachbarland Frankreich stellt, laut France Info, der Infektiologe Professor Didier Raoult den Einsatz von Chloroquin im Kampf gegen das Coronavirus in Aussicht und dies klingt sehr vielversprechend: "Wahrscheinlich ist es das günstigste und einfachste Mittel zur Behandlung des Coronavirus."

Kann das Medikament im Kampf gegen Covid-19 helfen? BartekSzewczyk@Getty Imagers

Doch das ist nicht alles, der Experte findet außerdem beruhigende Worte bezüglich der Verfügbarkeit dieser Behandlung: "Es ist zugänglich, verfügbar und man muss nicht vier Jahre warten, bis es auf dem Markt zugelassen wird. Daher sollte man diese Möglichkeit unbedingt in Erwägung ziehen."

"Vielversprechende" Ergebnisse

Es stellt sich also die Frage: Worauf warten wir noch, für die Verwendung dieses bereits bekannten Mittels? Gegenüber France Info erklärt Professor Didier Raoult: "Man wartet auf klinische Versuche, die die vorhergesagte Wirksamkeit bestätigen. Wir haben alle Elemente. Man müsste vielleicht was an der Dosis und der Einnahmedauer des Medikaments ändern."

Doch Raoult stößt mit seinem Vorpreschen auf die Kritik bei anderen Forschern. Zwar haben Forscher in Marseille klinischen Untersuchungen mit "vielversprechenden" Ergebnissen durchgeführt, doch diese stehen erst am Anfang. Deshalb sollen zunächst noch weitere klinische Untersuchen durchführen werden, um mehr über das Mittel zu erfahren.

Und obwohl sich bereits einige Ärzte der allgemeinen Empfehlung widersetzen und ihren Patienten dieses Medikament verschreiben, wird bisher noch offiziell davon abgeraten, es bei allen Infizierten einzusetzen.

Nur ratsam bei Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf

Das Chloroquin kann nur bei Patienten mit schwerwiegendem Krankheitsverlauf von Corona eingesetzt werden, sollte aber nicht für schwächere Krankheitsverläufe verwendet werden, erklärt das französische Gesundheitsministerium.

Wir empfehlen, diese Behandlung nur nach gemeinsamer Entscheidung von Ärzten und unter strenger medizinischer Aufsicht bei schweren Fällen einzusetzen.

Denn eine Überdosis kann gefährlich sein, wie der französische Apothekerverband warnt: "Die effektive und die toxische Dosis liegen relativ nahe beieinander." Ausserdem hat das Medikament zahlreiche Nebenwirkungen wir Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge, aber auch Sehstörungen können auftreten.

Von Martin Gerst
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