Unbefleckte Empfängnis: Ein Fisch bringt Wissenschaft ins Rütteln

Unbefleckte Empfängnis: Ein Fisch bringt Wissenschaft ins Rütteln

Ein kleiner Fisch vollbringt ein wahres Wunder: Das Weibchen gebärt ihre "Babies" ohne Befruchtung. Die Forscher wissen nicht, wie dies möglich ist...

Ein Wunder! Wenn nicht die Wissenschaft diesen außergewöhnlichen Fall behandeln würde, könnte man glatt denken, dies wäre eine Geschichte aus der Bibel, genau wie die Geburt Jesu Christi. Ein weiblicher Stichling, der auf den Namen Maria getauft wurde - und das zu Recht - steht im Mittelpunkt eines echten biologischen Wunders: Sie bringt Jungen zur Welt, ohne überhaupt befruchtet worden zu sein. Zumindest nicht auf ganz konventionelle Weise.

Befruchtung bei Fischen 

Bei diesem kleinen Fisch aus der Familie der Gasterosteidae findet die Befruchtung in der Regel außerhalb des mütterlichen Organismus statt. Das Männchen hat die Gewohnheit, ein Nest zu bauen, zu dem er seine Geliebte per Paarungstanz anlockt. Das Weibchen legt dann dort ihre Eier, sodass er sie dann nur noch befruchten muss. Er versorgt sie mit seinen Flossen mit Sauerstoff, bis sie zwei Wochen später schlüpfen.

Aber die kleine Maria ist nicht wie alle anderen Weibchen. Sie ignoriert den lüsternen Tanz dieser Herren und hat sich dazu entschieden, 54 Babys ganz allein zu bekommen. Nach einem heiklen Kaiserschnitt im Labor, in dem sie untergebracht ist, bringt das Weibchen 54 Fischlein zur Welt, von denen etwa 20 heute noch im Aquarium von Nottingham im Vereinigten Königreich, drei Jahre nach der Geburt, leben. 

Ein Wunder der Natur

"Wir waren erstaunt, was wir entdeckten, als wir Maria in unserem Labor untersuchten [...] Sie schien nur ein Fisch zu sein, der daran leidet, dass er seine Eier nicht ablaichen kann. Deshalb konnten wir es nicht glauben, als wir entdeckten, dass sie fast vollständige Embryonen in ihren Eierstöcken entwickelt hatte. Dies ist bei einer eierlegenden Art praktisch unmöglich. Die Embryonen waren vollkommen gesund, erlitten keine Missbildungen und die meisten lebten weiterhin ein normales Erwachsenenleben“, sagt Dr. Laura Dean von der School of Life Science an der Universität Nottingham. Sie ist Mitautorin eines Berichts in der Fachzeitschrift Scientific Reports

Es gibt drei Möglichkeiten

Um das Unerklärliche zu erklären, haben die Forscher drei mögliche Lösungen. Die erste ist die Parthenogenese, eine Fortpflanzungsmethode, die die laichenden Fische dazu gebracht haben könnte, „Klone“ von sich selbst zu gebären. Zweite Option: Hermaphroditismus, ein Zusammenleben von männlichen und weiblichen Geschlechtern im selben Organismus, das es ihm schließlich ermöglicht hätte, sich selbst zu befruchten. Aber diese ersten beiden Erklärungen werden von den Wissenschaftlern schnell verworfen, wie Laura Dean begründet: 

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"Wir konnten diese beiden Möglichkeiten ausschließen, denn im Falle der Parthenogenese wären ihre Nachkommen genetisch identisch mit der Mutter gewesen. Im Falle des Hermaphroditismus hätten sie nur die Gene der Mutter ohne genetischen Input von außen. Also führten wir sehr einfache genetische Analysen an den Nachkommen durch und fanden heraus, dass die Nachkommen Versionen von Genen hatten, die Maria nicht hatte und die deshalb vom Vater kommen müssen.“ Ein Vater, dessen Identität - und seine Technik - bisher noch unentdeckt ist. 

"Unsere Theorie ist, dass Spermien irgendwie in das Fischweibchen eingedrungen sein könnten und die Eier befruchtet haben. Die haben sich dann wie normale Embryonen von zwei Elternteilen entwickelt. Was sicher geschah, war, dass [Maria] zu einem Nest schwamm, um ihre Eier abzulegen. Darin hat aber bereits ein anderes Weibchen [ihre Eier] gelegt, das von einem männlichen Stichling befruchtet worden war. Wir wissen nicht, wie es geschehen konnte, aber einige der Spermien müssen dabei in Marias Körper gedrungen sein. Wahrscheinlich sind sie durch die Eierstöcke zu den Eiern gelangt und haben sie befruchtet, aber sie hat nie Eier gelegt“, sagt Laura Dean. Eine Reihe von Unfällen, die zweifellos wirklich ein Wunder sind! 

Maximilian Vogel
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