Orca-Weibchen: Mit ihnen können Forscher endlich körperliche Besonderheit von Frauen zu erklären
Orca-Weibchen: Mit ihnen können Forscher endlich körperliche Besonderheit von Frauen zu erklären
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Orca-Weibchen: Mit ihnen können Forscher endlich körperliche Besonderheit von Frauen zu erklären

Orca-Forschern stellt sich schon lange die Frage, warum sich die Weibchen in den Jahrzehnten vor ihrem Tod nicht mehr fortpflanzen können. Mit der Auflösung dieses Rätsels erklärt sich auch die Funktionsweise des weiblichen Körpers.

Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche, Gelenkschmerzen, Gewichtszunahme, Müdigkeit... Die Menopause ist nicht gerade eine angenehme Zeit für Frauen. Im Tierreich gibt es nur sehr wenige Arten, die nach der Menopause tatsächlich noch jahrzehntelang leben. Wir Menschen zählen natürlich dazu, bei allen übrigen Tierarten handelt es sich um Wale.

Ende der Fortpflanzungszeit

Neue Forschungsergebnisse, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences vom 9. Dezember zu finden sind, lüften nun das Geheimnis darüber, wozu die Menopause überhaupt gut ist. Beim Schwertwal (Orcinus orca) bedeutet das Ende der Fortpflanzungszeit bei älteren Weibchen höhere Überlebenschancen für die jüngeren Generationen.

Bei Orcas ist die ältere weibliche Generation besonders wichtig als Führungskraft. skeeze@Pixabay

Eine Weiterentwicklung der Menopause

Die Forscher analysieren Daten über zwei Schwertwalgruppen, die an der Nordwestpazifikküste Kanadas und der USA leben. Diese Daten enthalten Aufzeichnungen über 36 Jahre, bei denen unter anderem das genaue Alter jedes Tiers, der Todeszeitpunkt und die Verwandtschaftsverhältnisse festgestellt werden.

Daraus ergibt sich, dass sich die Sterbewahrscheinlichkeit eines Kalbs nach dem Tod seiner Großmutter, die bereits die Menopause hinter sich hat, um 4,5 Mal erhöht - im Vergleich zu einem Jungtier, dessen Großmutter noch lebt. Ein Junges hat auch eine um 1,5 Mal höhere Sterbewahrscheinlichkeit, wenn sich die Großmutter noch im fortpflanzungsfähigen Alter befindet.

Die Wissenschaftler erklären, dass eine Großmutter, die selbst noch Kälber aufzieht, nicht dasselbe Ausmaß an Unterstützung liefern kann, wie eine Großmutter, die die Wechseljahre bereits hinter sich hat. "Das bedeutet, dass die Großmutter durch die Menopause eher dazu in der Lage ist, ihren Enkeln zu helfen", erklärt der Biologe Dan Franks von der Universität York (Vereinigtes Königreich).

Die Oma ist Clanchefin

Weibliche Schwertwale werden im Alter von ungefähr zehn Jahren geschlechtsreif und treten zwischen dem Alter von 30 und 40 Jahren in die Wechseljahre ein. Ebenso wie Frauen können sie aber nach den Wechseljahren noch viel älter werden, nämlich 80 bis 100 Jahre, also mehrere Jahrzehnte mehr als Männchen.

Warum ist ihre Fortpflanzungszeit dann so kurz? Es würde mehr Ressourcen in Anspruch nehmen, wenn verschiedene Generationen gleichzeitig Nachwuchs in die Welt setzen würden. Söhne und Töchter bleiben ihr Leben lang bei ihrer Mutter, paaren sich aber mit Tieren aus anderen Familiengruppen.

Die Familienhierarchie scheint darauf ausgelegt zu sein, dass die Schwertwal-Großmütter die Rolle der Clanchefin übernehmen. Sie kennen die besten Jagdreviere und -techniken.

Diese Führungsrolle ist besonders in Zeiten der Nahrungsknappheit sehr wichtig. Das Forscherteam entdeckt etwa, dass der Einfluss des Verlusts einer Großmutter, die die Menopause hinter sich hat, für ein Kalb größer ist, wenn die Lachsbestände eher gering sind.

Nach der Menopause tragen die Orca-"Großmütter" viel stärker zum allgemeinen Wohlbefinden ihres Clans bei: Sie werden nicht mehr trächtig und brauchen sich nicht mehr mit der Erziehung ihrer eigenen Jungen auseinanderzusetzen. Dan Franks erklärt:

Der Tod einer Großmutter nach der Menopause kann große Auswirkungen auf den Familienclan haben, das könnte ein wichtiger Faktor in Zukunftsszenarien für diese Tierart sein.

Ein komplexer Mechanismus

Andere Tiere aber, wie etwa Elefanten, haben auch Großmütter, die sich um ihre Enkel kümmern - und diese haben oft selbst noch eigene Kälber. Die Forscher denken also, dass der Mechanismus viel komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Doch diese Daten können zum Teil erklären, warum Schwertwale gleich wie Menschen nach der Menopause noch weiterleben.

Der genaue Grund mag noch nicht bestätigt sein, aber alles deutet darauf hin, dass Orca-"Großmütter" nach der Menopause dem Überleben ihrer Nachkommen zuträglich sind. Die Wissenschaftler verwenden nun Drohnen, um mehr Details über die Familiendynamik dieser majestätischen Tiere herauszufinden.

Von Maximilian Vogel

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