Bei Schwangerschaften leiden Väter oft unter diesem erschreckenden Krankheitsbild

Bei Schwangerschaften leiden Väter oft unter diesem erschreckenden Krankheitsbild

Sagen wir es doch einmal ganz offen: Wenn eine Frau ankündigt, dass sie ein Baby erwartet, steht sie sofort im Zentrum der Aufmerksamkeit, und der werdende Vater spielt nur die zweite Geige. Dabei machen auch die künftigen und frischgebackenen Papas einiges durch, wenn der oder die Kleine das Licht der Welt erblickt. Hier kommt der Beleg dafür anhand von wissenschaftlichen Fakten.

Meistens ist eine Schwangerschaft ein großer Grund zur Freude. Allerdings geht diese auch mit großen physischen und psychischen Veränderungen einher.

Im Gegensatz zur langläufigen Meinung ist die Mutter nicht die einzige Person, die eine emotionale Achterbahn durchläuft! Der Vater kann ebenfalls ein emotionales Durcheinander erleben, das sogar körperliche Auswirkungen haben kann. Die Symptome während und nach der Schwangerschaft sind ernst zu nehmen.

Das Couvade-Syndrom

Überschüssige Kilos, ein größerer Schwimmring, wahnsinnige Gelüste nach bestimmten Lebensmitteln, Übelkeit, Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme, Stimmungsschwankungen,... Kurzum, die typischen Symptome einer Schwangerschaft. Nur dass sie auch bei künftigen Vätern auftreten können!

Das "Couvade-Syndrom", welches auch als "Parallelschwangerschaft" oder "Sympathieschmerz" bezeichnet wird, tritt häufiger auf als man denkt und könnte 25 bis 52 Prozent der Männer betreffen. Am häufigsten leiden Männer daran, die ihr erstes Kind erwarten, mit ihrer Partnerin eine oder mehrere Fehlgeburten durchlitten haben oder ein Baby erwarten, das durch eine künstliche Befruchtung entstanden ist. Meist treten die Symptome im Laufe der ersten drei Monate der Schwangerschaft auf und gehen im nächsten Drittel zurück, um sich dann im letzten Drittel wieder zu verstärken.

Laut einer Studie, die von Forschern der Universität von Michigan durchgeführt wurde, könnten sich diese Symptome durch Hormonveränderungen bei den werdenden Vätern erklären lassen. Während der Schwangerschaft ihrer Partnerin sinkt bei manchen der Testosteronspiegel und sie produzieren mehr Prolaktin, welches eine Rolle bei der Milchbildung, der Fortpflanzung, dem Wachstum und der Immunität spielt und auch Auswirkungen auf das Verhalten hat. Laut der französischen Internetseite Naitre et Grandir (dt.: Geboren werden und aufwachsen) kann das "Männerkindbett" auch "ein Ausdruck des Übergangs des Mannes zu seiner neuen Rolle als Vater" sein.

Zwar handelt es sich keinesfalls um eine Krankheit, aber es ist wichtig, mit seiner Partnerin und seinem Hausarzt darüber zu reden, um diese Veränderung des Lebens mit mehr Ruhe durchstehen zu können.

Postpartale Depressionen bei Männern

Der Babyblues (80 Prozent der Frauen) und Postpartale Depressionen (zwischen 3 und 20 Prozent der Frauen) sind Probleme, die man sehr ernst nehmen sollte, wenn sie bei frischgebackenen Mamas auftreten. Aber auch die Männer sollte man dabei nicht vergessen! Laut neuesten Studien, von denen eine im Journal of the American Medical Association erschienen ist, leiden über 10 Prozent der Väter zwischen dem ersten Drittel der Schwangerschaft und dem 1. Geburtstag ihres Kindes unter prä- und postnatalen Depressionen.

Laut dem Massachusetts Child Psychiatry Access Program (MCPAP) sind manche Symptome bei Männern und Frauen gleich, aber bei Männern können auch noch andere auftreten. Dazu gehört insbesondere eine Intensivierung von Drogen- und Alkoholkonsum sowie unsoziales Verhalten, Wut und Aggressivität in ihren Beziehungen zu anderen Menschen.

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Die Forscher warnen vor diesem Leiden der Männer, das noch nicht genug Beachtung findet und häufig schwer zu diagnostizieren ist. "Männer fühlen sich immer stärker für das Wohlergehen ihres Kindes verantwortlich und nehmen ihre Vaterrolle und die Art, wie sie von anderen in dieser Rolle wahrgenommen werden sehr ernst. Daher brauchen sie unsere Unterstützung", erklärt Nancy Byatt, Professorin für Psychiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie am medizinischen Zentrum der Universität von Massachusetts.

Diese männliche Version des Babyblues ist nicht harmlos und erfordert ein Gespräch mit seinem Hausarzt. Man sollte am besten seinen geistigen Zustand überprüfen, indem man die Edinburgh Postnatal Depression-Skala (EPDS) verwendet, die auch für Mütter benutzt wird.

Maximilian Vogel
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