Inflation aber ein Problem: Privathaushalte sind so reich wie noch nie
Privathaushalte haben so viel Geld wie nie zuvor, doch die Verteilung bleibt extrem einseitig. Kann das ganze Geld über die Inflation hinweg überhaupt noch etwas bewirken?
Wer hätte gedacht, dass der Wohlstand weltweit auf ein neues Hoch klettert, während viele am Monatsende aufs Geld schauen müssen? Laut dem aktuellen Global Wealth Report von Allianz besitzen die Privathaushalte in 57 untersuchten Ländern nun unglaubliche 268,4 Billionen Euro an Finanzvermögen – das ist, wie die Studie betont, ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch die Analyse zeigt: Diese märchenhaften Summen sind nicht gleichmäßig verteilt. Nicht nur zwischen Kontinenten, auch innerhalb von Ländern geht die Schere weit auseinander. Ein großer Teil des Zuwachses stammt von Wertsteigerungen an den Finanzmärkten – satte 80 Prozent des neu geschaffenen Reichtums 2025 beruhen auf Gewinnen durch Aktien und andere Wertpapiere.
Reiche werden reicher – vor allem in den USA
Hier zeigen sich echte Unterschiede: Allein auf die Vereinigten Staaten entfällt der Löwenanteil der milliardenschweren Zuwächse, nämlich 51,4 Prozent. Dort legen die Menschen fast zwei Drittel ihres Vermögens in Aktien und Wertpapiere an, konkret 60,7 Prozent. In Deutschland sind es immerhin 37,1 Prozent – für deutsche Verhältnisse ein Rekord, denn damit überholen die Wertpapiere erstmals die klassischen Bankeinlagen wie Tages- und Festgeld. Im internationalen Durchschnitt sind sogar 46,9 Prozent der Finanzmittel in Wertpapieren untergebracht.
Wer genau hinschaut, merkt, wie die Börse den Unterschied macht: Die globalen Gewinnerländer können dicke Pluszeichen melden, während in Westeuropa die Realität oft anders aussieht. So stieg das Bruttovermögen der deutschen Haushalte zwar um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro. Im Jahr davor, 2024, war der Sprung mit 7,4 Prozent noch deutlich größer.
Inflation frisst Wohlstand – und die Kluft bleibt groß
Das klingt erstmal nach Wohlstands-Rakete, hat aber einen Haken: Die Inflation macht große Teile dieser Zuwächse gleich wieder zunichte, besonders in Westeuropa. „Seit 2019 ist das nominale Geldvermögen um 50 Prozent gestiegen. Real, also bereinigt um die Inflation, jedoch nur um 23 Prozent“, sagt Allianz-Chefökonom Ludovic Subran. In Westeuropa liegt das reale Plus bei gerade mal 0,5 Prozent seit 2019. In Nordamerika schaffte man immerhin 21 Prozent, in China satte 70 Prozent.
Aber nicht nur die Preise drücken: Wirklich profitieren letztlich die Vermögenden. Weltweit befinden sich 85,4 Prozent des Netto-Finanzvermögens bei den oberen zehn Prozent – in Deutschland sind es 53,7 Prozent. Fast drei Milliarden Menschen, so schätzt Allianz, verfügen praktisch über kein nennenswertes Finanzpolster. Und ganz unten im Ranking findet sich Pakistan mit 490 Euro Nettovermögen pro Kopf, während ein US-Bürger im Durchschnitt mit 296.950 Euro dasteht. Die Schweiz folgt mit 275.980 Euro, Dänemark mit 197.510 Euro. Die Deutschen landen mit durchschnittlich 91.780 Euro auf Platz zwölf.
Geld auf dem Papier – Risiken im echten Leben?
Spannend ist, dass dieser Reichtum fast ausschließlich in Finanzprodukten steckt: Bargeld, Bankguthaben, Wertpapiere, Versicherungen – Immobilien zählen nicht mit. Gerade weil so viel von der Börsenlage abhängt, wächst das Risiko: Wer keine Aktien besitzt, kann vom Aufschwung kaum profitieren, ist aber der Inflation dennoch ausgeliefert. Am Ende bleibt ein Bild, bei dem viele auf viel, aber noch mehr auf wenig hoffen – und ein paar Zahlen, die zeigen, wie groß die Unterschiede hinter dem Rekordvermögen wirklich sind.
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