Straßencomedy: So macht diese Frau das Leben zum Spiel

Diese Frau ist funky, lässig und selbstbewusst. Vita Preis macht Stand-Up und Poetry. Nur, dass ihre Bühne kein Theater ist – sondern die Berliner Straßen und TikTok.

Straßencomedy – Das Leben als Spiel
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Straßencomedy – Das Leben als Spiel

Mal mimt sie eine Therapeutin, dann wieder eine traumatisierte Frau nach einer Trennung aus einer toxischen Beziehung. Sie schmiert sich Quark ins Gesicht und Ei ins Haar, tanzt auf der Oberbaumbrücke in einem schwarzen Kleid, moonwalkt am Flughafen und schwingt wenig bekleidet die Hüften vor einem See im Schnee. Vita möchte auffallen, Dinge hinterfragen, Menschen wachrütteln, Antworten finden.

„Vita fragt“

Mit über 2.000 Follower:innen auf ihrem TikTok-Kanal @vita_fragt hat sie bereits eine kleine Community aufgebaut. Hier stapft sie durch die Berliner Straßen und befragt wildfremde Menschen. Das zeugt von ihrer extrem offenen Art und ihrem Mut, Menschen zu begegnen. Sie sagt:

Ich bin gefühlt mein ganzes Leben lang Single und ich verstehe nicht warum. Ich war neu im Dating Game, deswegen bin ich losgezogen und habe Menschen nach ihren Dating Erfahrungen gefragt.

Wie und wo habt ihr euch kennengelernt? Warum machst du Sport? Was bedeutet Glück für dich? Wurdest du schon mal geghostet? Keine Frage ist ihr zu banal und sie bekommt überraschende Antworten. Von sehr jungen Menschen um die Zwanzig und von älteren Ehepaaren im Park. Von prolligen Typen aus Eckkneipen und sogar von Prominenten wie Fitnesstrainer und Powercoach Micha.

Auf die Frage hin ob ein "Hi" beim Ansprechen schon ausreicht, antwortet ein junger Mann: "Ja, es kostet nämlich Männer genauso viel Überwindung Frauen anzusprechen. Ich würde mich geehrt fühlen."

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Ihre Inspiration? Sie selbst

Ursprünglich kommt Vita aus Kasachstan, ist aber in einem Dorf in Bayern aufgewachsen. "Ich spreche Russisch und denke in Deutsch", sagt sie. Ihr Geld verdient sie mit Übersetzungen für Redaktionen – meist von Russisch auf Deutsch. Nebenbei arbeitet sie bei der Studiotechnik eines Fernsehsenders. Manchmal bekommt sie Anfragen für Drehs als Komparsin oder Kleindarstellerin in einem Film. Oder sie übernimmt den Social-Media-Kanal eines DJs. "Das ist so der Berliner Style. Alles ein bisschen."

Aber auf der Straße lebt sie sich aus. Situativ entscheidet sie, worüber sie ein Video macht. Meistens haben die Themen mit ihr selbst zu tun. "Mir passieren so viele komische Dinge, die nutze ich dann für die Videos. Oder ich beobachte andere Menschen."

Ihr Zweitkanal heißt @comedy_vita. Fast 70 Prozent ihrer Follower:innen sind Männer Ü30. Sie könnte sich halbnackt zeigen und sexy tanzen, aber das ist nicht ihre Art. Worauf sie achtet, ist die Art, wie sie sich präsentiert. Knallige Farben und Make-up und ein gewisser Rhythmus, wie das Video geschnitten ist, sind ihr wichtig.

Ihr Stil ist überraschend und direkt. In einem ihrer Videos stellt sie die Frage "Wer braucht schon eine Psychotherapie?", sie pausiert. Dann kommt ihr Gesicht ganz nah an die Kamera und sie antwortet mit herausforderndem Blick "Jeder, der Eltern hatte!". Sie sagt:

Ich glaube, die Leute klicken meine Videos, weil sie das Sarkastische mögen, den Witz mit Provokation.
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Von der Backgroundtänzerin zur Comedy Darstellerin

Als die Berliner Clubs während der Pandemie mit Beschränkungen wieder öffnen, ist sie voll dabei. Als Backgroundtänzerin im berüchtigten KitKat-Club. Ein DJ schreibt sie auf Instagram an: Kannst du tanzen, jetzt? Sie packt ein paar Klamotten ein und fährt zum Club. Sie erzählt:

Während andere zuhause waren, habe ich Party gemacht. Es sprengt einem manchmal einfach das Hirn. Sowas ist nur in Berlin möglich.

Die Entscheidung nach Berlin zu gehen traf sie spontan. In der Schlange am Ticketschalter schreibt sie ein paar Zeilen über ihr Leben. Du hast Angst heißt das Gedicht.

Verschwende nicht dein Leben, verschwende nicht deine kostbare Zeit, sondern lebe, halte den Augenblick fest, ja, steh gerade!

Es wird ein One-Way-Ticket in die große Medienstadt. Sie kennt niemanden, hat keinen Job, keine Wohnung. Ihre ersten Wochen in Berlin verbringt sie in einem Hostel. Drei Jahre ist das jetzt her.
"In Berlin lebt man nach dem Motto: Du darfst das! Das macht Mut für alles", findet sie.

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