Wilder vs. Fury: Nach reiflicher Überlegung – ist Tyson Fury um seinen Sieg betrogen worden?

Wilder vs. Fury: Nach reiflicher Überlegung – ist Tyson Fury um seinen Sieg betrogen worden?

Ein paar Tage nach dem enormen Zusammenstoß im Staples Center und nach reiflicher Überlegung haben wir uns DIE Frage gestellt: Ist Tyson Fury tatsächlich um seinen Sieg betrogen worden?

Wilder vs. Fury

Die offizielle Entscheidung der Kampfrichter im Staples Center ist wie eine Bombe eingeschlagen. Damit hatte niemand gerechnet. Der Kampf zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder endete mit einem Gleichstand. 115-111 Wilder, 114-110 Fury und 113-113. Eine Entscheidung, die im Endeffekt auf ein Unentschieden hinausläuft. Das ist in Anbetracht dessen, dass der Gypsy King in den einzelnen Runden eindeutig vorne lag, schwer zu glauben, selbst wenn man bedenkt, dass er zwei Mal zu Boden gegangen ist.

Um keine wilden Anschuldigungen zu erheben oder vorschnelle Urteile zu fällen, hat sich die gesamte Redaktion von Gentside den Kampf noch einmal fernab der Aufregung der Liveübertragung angesehen. Nach dem zweiten, für manche dem dritten Durchlauf, haben wir uns die Frage gestellt, ob Tyson Fury eigentlich den WBC-Gürtel hätte gewinnen müssen. Ist der Gypsy King wirklich um seinen Sieg betrogen worden?

Rochins Karte ist nicht zu rechtfertigen 

Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass nichts in der Welt die Karte von Schiedsrichter Alejandro Rochin rechtfertigen könnte. 115-111 Wilder. Der helle Wahnsinn. Um diesen Fehler des (korrupten?) Mannes zu verstehen, muss man wissen, dass Rochin Wilder den Sieg auch ohne die zwei Male, die Fury zu Boden gegangen ist, zuerkannt hätte. Er war also der Meinung, dass Wilder über die gesamten zwölf Runden à drei Minuten hinweg ein besserer Boxer war als Fury. Diese Karte ist und bleibt ein Skandal und eine Schande für den Boxsport, egal wie oft man sich den Kampf ansieht.

Außerdem war Tyson Fury der bessere Boxer im Ring. Daran hat der Gypsy King keinen Zweifel gelassen. Mit seinen Antäuschungen und seinen überraschenden Bewegungen hat er die übermächtige Rechte von Wilder zumindest über 90 Prozent der Dauer des Main Events hinweg wirkungslos gemacht. Und wenn man das größte Ass, das ein Boxer im Ärmel hat, ausschaltet, kommt seine wahre Natur ans Licht. Der frustrierte Amerikaner war nicht dazu in der Lage, sich anzupassen oder seine Strategie zu ändern. Der Ring gehörte also dem Briten, der den Kampf auf überzeugende und beeindruckende Weise dominierte.

Die mögliche Wertung 

Nun kommen wir zur möglichen Wertung bei diesem Kampf. Vor der neunten Runde steuerte Tyson Fury auf einen entspannten Sieg zu. Allerdings kamen ihn die Knockdowns in der 9. und 12. Runde teuer zu stehen. Er verlor zwei Runden mit 10-8, was sicher der Grund dafür ist, dass ein Schiedsrichter diesen Kampf mit 113-113 bewertet hat. Aber wenn man diese zwei Male bedenkt, bei denen er zu Boden gegangen ist, kann man dann sagen, dass der Amerikaner genug Runden gewonnen hat, um ein Draw zu rechtfertigen?

Damit dieser Kampf ein offizielles Unentschieden ist, muss man Deontay Wilder drei Runden zusprechen, zusätzlich zu den beiden, die er mit 10-8 gewonnen hat. Ab der vierten Runde und bis zum ersten Knockdown sehen wir keinerlei Gründe dafür, dem WBC-Champion eine Runde zuzuerkennen, denn der Herausforderer dominierte den Kampf in diesen Runden eindeutig. Also muss man sich die ersten drei Runden genauer anschauen, um herauszufinden, ob der Gypsy King einem der größten Skandale der Boxgeschichte zum Opfer gefallen ist. 

Die erste Runde kann Wilder zugesprochen werden, denn er ist der aktivere Mann im Ring. Bei den nächsten beiden Runden sind die Dinge schwieriger zu beurteilen. In der zweiten Runde wiederholt sich weitgehend das Schema aus den ersten drei Minuten, aber Tyson zeigt sich bereits immer erfolgreicher. Die dritte Runde scheint den Beginn der Domination des Briten zu markieren, der einen brillanten Gameplan aufstellt. Hier hätte er den Sieg verdient. Die ersten drei Runden Wilder zuzusprechen erscheint schlicht und ergreifend unmöglich.

Um uns an die Fakten zu halten, kommen hier die offiziellen Zahlen zum Zusammenstoß der Titanen:

Jabs Fury: 46 von 223 Wilder: 40 von 248

Wichtige Schläge Fury: 38 von 104 Wilder: 31 von 182

Gesamt Fury: 84 von 327 Wilder: 71 von 430 

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Diese Statistiken fassen den Kampf sehr gut zusammen. Tyson Fury hat weniger häufig zugeschlagen, war aber effizienter. Das ist das Grundprinzip des Boxens – Zuschlagen und treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Wir können nun also mit Sicherheit sagen, dass der Gypsy King mit diesem Draw tatsächlich ungerecht behandelt wurde. Tyson Fury sollte WBC-Champion sein. Dieses Unentschieden bringt uns um eines der schönsten Comebacks der Sportgeschichte.

Mies.

• Maximilian Kunze
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