Coronavirus: Was lehrt uns die "Russische Grippe" von 1890?
Coronavirus: Was lehrt uns die "Russische Grippe" von 1890?
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Coronavirus: Was lehrt uns die "Russische Grippe" von 1890?

Von Fred Eilig

Kämpft die Welt gerade mit dem Coronavirus, hat sie anscheinend eine ähnliche Krise schon 1890 einmal durchgemacht. Worum handelt es sich bei der sogenannten "Russischen Grippe"?

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie sucht man auf der ganzen Welt nach Lösungen, um das Virus einzudämmen. Dabei ist die Situation nicht völlig. 1890 herrschten auf unserem Planeten schon einmal ähnliche Verhältnisse.

Professor Eric Caumes, Leiter der epidemiologischen Abteilung des traditionsreichen Pariser Krankenhauses Pitié-Salpêtrière, erklärt gegenüber BFMTV/RMC:

Es hat tatsächlich schon einmal 1890 eine sogenannte "Grippe-Epidemie" gegeben, die man damals als "Russische Grippe" bezeichnet hat. Es ist uns im Laufe der letzten Monate und Wochen aber klar geworden, dass es sich auch schon damals nicht um eine Grippe, sondern um ein Coronavirus gehandelt hat. Genauer um eine Art von Coronavirus, wie sie jetzt bei uns im Umlauf ist.

Wo liegt der Ursprung der "Russischen Grippe"?

Einem bekannten französischen Lexikon zur Medizingeschichte zufolge nimmt die "Russische Grippe" vielleicht schon 1888 in der usbekischen Stadt Buxoro ihren Anfang. Die wahre Epidemie soll aber erst im November 1889 in Sankt Petersburg ausgebrochen sein.

In seinem Interview erklärt Eric Caumes ebenfalls, dass man die "Russische Grippe" damals auch "Eisenbahn-Epidemie" genannt hat, wegen der zeitgleichen enormen Ausweitung des Eisenbahnnetzes.

Nicht zuletzt hierdurch verbreitet sich diese Erkrankung im Winter 1889-1890. Im Januar 1890 ist dann ganz Westeuropa in der Hand des Virus, das aber auch in den USA, in Australien und in Neuseeland auftaucht.

Symptome der "Russischen Grippe"

Husten, Erschöpfung, Fieber, Muskelschmerzen... Die Symptome ähneln sehr denen der herkömmlichen Grippe. Die damaligen Forscher stellen darüber hinaus überraschende Nebeneffekte fest: Geschwollene Finger, Nieren- und Verdauungsprobleme sowie eine erhöhte Sterblichkeit bei über 65-Jährigen.

Die "Russische Grippe" ist zudem höchst ansteckend und kann neurologische Störungen nach sich ziehen. Sehr schnell wird, schon gegen Ende Januar 1890, erkannt, dass es sich hierbei nicht um eine grippale Erkrankung handelt.

Frankreich zur Zeit der "Russischen Grippe"

Frankreich trifft es zur Weihnachtszeit besonders hart. In Paris sind die Krankenhäuser völlig überfüllt. Man errichtet dort auf Freiflächen notdürftige Baracken, um Patienten aufzunehmen.

Das Ganze bei nur 8 Grad Außentemperatur. Anfang Januar ringen dann alle großen Städte mit der Epidemie. Die Schulen werden geschlossen. Zur Krisenbekämpfung wird die Armee eingesetzt.

Mehrere Wellen

Die Pandemie der "Russischen Grippe" breitet sich mit atemberaubender Geschwindigkeit aus, kommt aber dann im Frühjahr 1890 schnell zum Erliegen. Dennoch können die Forscher noch weitere Wellen dieser Pandemie ausmachen: im Frühjahr 1891, im Winter 1891-1892, im Winter 1893-1894 und schließlich im Frühjahr 1895.


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