Virologin kritisiert Corona-Lockerungen: „Die Verantwortung wird auf die Bürger abgewälzt“
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Virologin kritisiert Corona-Lockerungen: „Die Verantwortung wird auf die Bürger abgewälzt“

Von Alma Feliz

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek kritisiert die Lockerungen scharf und warnt zudem vor einer Überbelegung der Intensivstationen. Weitere Öffnungen seien ihrer Ansicht nach keine gute Idee.

Endlich läuft der Impfstart in deutschen Hausarztpraxen an, und sogar Karl Lauterbach hat einen Vorschlag, wie der vierte Lockdown verhindert werden kann. Doch diese Frau warnt vor vorzeitigen Lockerungen.

„Verantwortung wird auf die Bürger abgewälzt“

Sandra Ciesek sieht die Öffnungsstrategien des Saarland oder Tübingens kritisch. Im NDR-Podcast Das Coronavirus-Update erklärt die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt:

Die Verantwortung wird auf den Bürger abgewälzt. Wenn geöffnet wird, muss dem Bürger klar sein, dass das nichts mit Sicherheit zu tun hat.

Des Weiteren dürfe nicht der Eindruck entstehen, „dass das sicher ist“. Jeder müsse nun für sich abwägen können, ob man sich auf diese neuen Freiheiten einlassen, oder lieber Vorsicht üben sollte.

Sie halte es trotz der über Ostern abgeflachten Infektionszahlen für zu riskant, diese Zahlen als Grund für die Lockerung von Maßnahmen und Beschränkungen zu benutzen.

Zum einen wird ja über die Feiertage weniger getestet und zum anderen haben vermutlich viele Menschen vor Ostern ihre Kontakte beschränkt, um dann an den Feiertagen Angehörige treffen zu können.

Eine andere Ausgangslage als letzten Sommer

Was der Wissenschaftlerin vor allem Sorge bereite, sei die Häufung der Patienten in den Krankenhäusern und der Zuwachs bei der Belegung der Intensivbetten durch jüngere Patienten.

Diese haben zwar bessere Überlebenschancen als 80- oder 90-Jährige, würden aber dennoch, wie alte Menschen, „Wochen oder Monate“ auf den Intensivstationen verbringen.

Noch immer liegen auf den Intensivstationen Patienten der zweiten Infektionswelle. Die Ausgangslage ist also eine ganz andere, als im vergangenen Sommer.

Auch ein Effekt sei so kurz nach dem Impfbeginn noch nicht in Sicht, wie Ciesek betont. Zumal dieser nicht ausreiche, um Kontaktbeschränkungen sofort aufheben zu können.

Wichtig sei, dass Geimpfte nach der ersten Impfung nicht auf Vorsichtsmaßnahmen verzichten. Ciesek fürchtet Leichtsinn bei denjenigen, die glaubten, nach der Impfung sofort vor einer Infektion geschützt zu sein.

Sie gibt zu bedenken, dass die Zeit nach der ersten Impfung sogar die "gefährliche Phase“ darstelle, da sich die Antikörper, die das Virus bekämpfen sollen, erst entwickeln müssten.


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