Tausende Impfdosen im Müll: Ärzte fordern Genehmigung für Resteverwertung

In Deutschland herrscht nach wie vor Impfknappheit. Dennoch landen täglich tausende Impfdosen im Müll. Jetzt stellen die Hausärzte eine deutliche Forderung an Bund und Länder.

Tausende Impfdosen sollen weggeschmissen werden
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Tausende Impfdosen sollen weggeschmissen werden

Das Impfdebakel in Deutschland scheint einfach kein Ende zu nehmen. Erst gibt es ein schwindelerregendes Hin und Her mit dem Astrazeneca-Impfstoff.

Dann sollen Ärzte, die AstraZeneca nicht verimpft bekommen, keinen Biontech-Impfstoff mehr erhalten. Jetzt wird wieder um jede einzelne Impfdosis gekämpft.

Tausende Impfdosen im Müll

Denn in Deutschland wandern anscheinend tausende davon täglich in die Tonne. Derzeit werden aus dem Röhrchen des Biontech-Impfstoffs sechs und von Astrazeneca zehn Dosen entnommen.

Hausärzte fordern nun von Bund und Ländern die Genehmigung, von Biontech sieben und Astra zehn Dosen entnehmen zu dürfen. Das wäre jeweils eine Impfung mehr, als von den Herstellern angegeben und offiziell erlaubt ist.

Stellungnahme zu den angeblich 43.000 weggeworfenen Impfdosen

Laut dem NDR sind allein im Hamburger Impfzentrum seit Impfstart is zu 43.000 Impfdosen im Müll gelandet, weil diese eine zusätzliche Dosis bisher nicht genutzt worden ist.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde und die Kassenärztliche Vereinigung weisen diese Vorwürfe jedoch zurück, wie Jochen Kriens, Sprecher der KV Hamburg, deutlich macht:

Bei der genannten Zahl handelt es sich um eine fiktive Größe, die von den Medien errechnet wurde. Dabei wurde die Annahme zugrunde gelegt, dass bei jeder Biontech-Ampulle neben den sechs regulären Impfdosen eine ganze zusätzliche überzählige Dosis problemlos entnommen werden könnte. Das ist aber nicht der Fall.

Kriens erklärt, dass nicht alle Fläschchen eine siebte Dosis hergeben und die Gefahr, dass die aufgezogene Wirkstoffmenge zu gering ist, zu groß sei.

Dann würde der Impfstoff seine Wirkung verlieren. Daher ist die Rechnung, die dem Impfzentrum den Verschleiß von tausenden Impfungen vorwirft, sehr fragwürdig.

Einige Länder erlauben die zusätzliche Impfdosis

Einige Bundesländer erlauben ihren Hausärzten jedoch bereits jetzt, eine Dosis mehr aus den Impfstoff-Fläschchen zu ziehen, als offiziell angegeben.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) empfiehlt ebenfalls "die Gewinnung einer siebten Dosis aus einem Biontech-Vial." Gegenüber der Bild erklärt der Präsident der DEGAM, Professor Martin Scherer:

Wichtig ist, dass der Vorgang korrekt durchgeführt wird.

Wenn die Impfstoffe schon jetzt für Kinder zugelassen wären, wäre das Problem der siebten beziehungsweise zehnten Dosis geklärt, weil Kinder eine geringere Dosierung brauchen.

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