DNA gibt Aufschluss über Lebenserwartung: Die des Menschen ist überraschend!
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DNA gibt Aufschluss über Lebenserwartung: Die des Menschen ist überraschend!

Im Jahr 2017 liegt die weltweite Lebenserwartung von Frauen bei 85,3 Jahren und von Männern bei 79,5 Jahren. Aber laut einer neuen Studie ist unser Körper nicht darauf ausgelegt, so alt zu werden.

Wenn Tiere altern, verschlechtern sich ihre biologischen Funktionen und das Lebensende rückt immer näher. Der Alterungsprozess bleibt für Wissenschaftler aber immer noch ein großes Rätsel. Bisher ist es sehr schwierig, voraussagen zu können, wie alt ein Lebewesen werden kann.

Die Lebensdauer weicht außerdem besonders bei Wirbeltieren von Art zu Art sehr stark ab. Die Korallengrundel (Eviota sigillata) ist etwa ein kleiner Fisch, der nur acht Wochen alt wird. Vom Grönlandhai (Somniosus microcephalus) werden allerdings 400 Jahre alte Exemplare gefunden.

Um eine Antwort auf diese Problematik zu finden, wird eine neue Methode entwickelt, um die Lebenserwartung verschiedener Tierarten zu ermitteln. Sie besteht darin, Veränderungen in der DNA, die im Laufe des Lebens auftreten, zu analysieren. Die Studie wird in Scientific Reports sowie in einem Artikel von The Conversation vom 12. Dezember beschrieben und fördert zutage, dass die "natürliche" Lebenserwartung des Menschen in etwa 38 Jahre beträgt.

DNA-"Uhren"

Um zu diesem Schluss zu gelangen, entwickeln die australischen Forscher der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) sogenannte DNA-"Uhren". Diese ermöglichen das Ermitteln des Alters eines Tieres mittels DNA-Methylierung. Der Verfall biologischer Funktionen kann in den nicht-codierenden DNA-Bereichen beobachtet werden, die die Methylierung fördern. Die Methylierung bewirkt, dass in bestimmten Genen Methylgruppen auftreten, was zu Mutationen führt.

Das Forscherteam verwendet 252 Genome - also vollständige DNA-Sequenzen - von Wirbeltierarten und stellt diese der bekannten Lebenserwartung von Tieren gegenüber. Die Wissenschaftler stellen fest, dass sie durch Untersuchungen der Stelle, an der die DNA-Methylierung in 42 spezifischen Genen stattfindet, auch Schätzungen zur "natürlichen" Lebenserwartung durchführen können.

Eine verankerte "natürliche" Lebenserwartung

Die "natürliche" Lebenserwartung des modernen Menschen liegt bei 38 Jahren. Diese Zahl entspricht den anthropologischen Schätzungen zum Alter der ersten modernen Menschen. Die Forscher in The Conversation:

Die Menschen von heute stellen allerdings eine Ausnahme zu dieser Studie dar. Der medizinische Fortschritt und Veränderungen in unserem Lebensstil haben die durchschnittliche Lebenserwartung erhöht.

Interessant ist, dass die Neandertaler sowie die Denisova-Menschen - die eng mit dem heutigen Menschen verwandet sind - eine maximale Lebenserwartung von 37,8 Jahren haben. Schimpansen haben eine höhere natürliche Lebenserwartung als der Mensch, nämlich 39,7 Jahre.

Die längste "natürliche" Lebenserwartung wird dem größten lebenden Meeressäuger der Welt zugeschrieben, nämlich dem Grönlandwal, der 268 Jahre alt werden kann. Die Methode ermöglicht es außerdem nicht nur, die Lebenserwartung von lebenden Tierarten zu schätzen, sondern auch die von ausgestorbenen Tierarten. Das Wollmammut hat demnach eine Lebenserwartung von 60 Jahren, also in etwa dasselbe Alter wie das des modernen Afrikanischen Elefanten (65 Jahre). Die ausgestorbene Galapagos-Riesenschildkröte hat eine natürliche Lebenserwartung von 120 Jahren.

Mittels DNA-Analyse können Wissenschaftler nun die Lebenserwartung von Wirbeltieren ermitteln. CSIRO

Erhalt von bedrohten Arten

Die Lebenserwartung von Wildtieren zu kennen, ist von grundlegender Bedeutung, um zu wissen, wie wir die Fauna erhalten können und wie wir mit ihr umgehen sollten. Für bedrohte Tierarten kann der Faktor Lebenserwartung herangezogen werden, um herauszufinden, welche Tierbestände überlebensfähig sind.

Diese Schlussfolgerung ziehen die Autoren am Ende der Studie. Bisher basieren die meisten Schätzungen auf einigen wenigen Exemplaren, die in Gefangenschaft leben und deren Alter zum Zeitpunkt des Todes bekannt ist. Für Tiere mit einer hohen Lebenserwartung wird das Problem aber komplizierter, denn sie können ganze Forschergenerationen überleben. Diese neu entdeckte Methode ist deshalb vielversprechend, wenngleich sie im Moment nur auf Wirbeltiere angewandt werden kann.

Von Maximilian Vogel

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