Diese psychische Erkrankung erhöht das Risiko, an Covid-19 zu sterben

Eine Studie zeigt, dass sich das Sterberisiko bei Covid-19 Patienten erheblich vergrößert, wenn sie an einer bestimmten psychischen Erkrankung leiden.

Einige Studien haben bereits gezeigt, dass Menschen mit geistigen Erkrankungen, insbesondere Depressionen und Schizophrenie, ein erhöhtes Risiko haben, sich mit Covid-19 zu infizieren.

Eine neue wissenschaftliche Studie dazu erscheint in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry. Diese hat nun ergeben, dass auch das Risiko, an Covid-19 zu sterben, bei Patienten mit Schizophrenie deutlich höher ist. Nach dem Alter ist diese geistige Erkrankung demnach dafür sogar einer der Hauptrisikofaktoren.

2,7 mal höheres Sterberisiko

Für die Studie wurden die Patientenakten von 260 Kliniken und vier Krankenhäusern in New York untersucht. Von den 26.540 Untersuchten wurden 7.348 Erwachsene zwischen dem 3. März und dem 31. Mai 2020 positiv auf Covid-19 getestet.

Anschließend teilten die Forscher die Patient:innen mit geistigen Erkrankungen in drei Gruppen ein: Schizophrenie (75 Patient:innen), affektive Störungen (564) und Angststörungen (360). Die Daten wurden mit denen derjenigen Patienten verglichen, die an keinen geistigen Beschwerden litten.

Die Ergebnisse wurden entsprechend der bereits bekannten Risikofaktoren angepasst. Bei Angst- und affektiven Störungen konnten die Forschenden kein erhöhtes mit der Erkrankung einhergehendes Sterberisiko feststellen.

Ihre Untersuchungen ergaben jedoch, dass das Risiko, mit Schizophrenie an Covid-19 zu sterben, 2,7-mal höher ist. Bei Patient:innen im Alter zwischen 45 - 54 Jahren erhöht sich diese Zahl auf 3,9.

Bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz steigt das Risiko um das 1,68-Fache. Bei Patient:innen mit Diabetes um das 1,28-Fache. Zudem greift Covid-19 unsere Organe soweit an, dass die Symptome sogar Diabetes ähnlich sehen können.

Lungenentzündungen und Viruserkrankungen als Hauptfaktor

Doch warum erhöht eine geistige Erkrankung das Risiko an SARS-CoV-2 zu sterben? Dr. Donald Goff, Professor der Psychiatrie an der NYU School of Medicin und Hauptautor der Studie gegenüber Livescience, erklärt:

Einerseits ist es zu erwarten, aber andererseits ist es auch überraschend.

Die Lebenserwartung von Menschen, die an Schizophrenie leiden, ist durchschnittlich bereits um 20 Jahre geringer. Hinzu kommt, dass sie häufiger an Lungenentzündungen und Viruserkrankungen sterben, als an der Schizophrenie selbst. Der Experte erklärt:

Es scheint, als führe die Schizophrenie oder deren Behandlung zu einem deutlich erhöhten Sterberisiko. Zum Beispiel könnte die Erkrankung oder die Medikation das Immunsystem beeinträchtigen.
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Eine Covid-Erkrankung kann bei Patienten mit Schizophrenie gefährlich verlaufen. Karolina Grabowska@Pexels

Das Immunsystem im Visier

Tatsächlich kommt es bei Schizophrenie zu Veränderungen der Gene, die die Immunantwort regulieren, insbesondere von Proteinen, die für die Aktivität von Immunzellen zuständig sind, den Zytokinen.

Nun scheint ein erhöhtes Sterberisiko durch Covid-19 mit einer übermäßigen Reaktion des Immunsystems und der Zytokine einherzugehen, auch Zytokinsturm genannt – welche auch den neu entdeckten Zusammenhang einer erhöhten Covid-Sterberate bei Schizophrenie erklären könnte.

Aufgrund der geringen Anzahl untersuchter Schizophrenie-Patient:innen und angesichts mangelnder Informationen über deren spezifische Medikation müssen noch weitere Studien durchgeführt werden, um die Ergebnisse zu bestätigen.

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