Außerirdisch: Das Eisen der Bronzezeit stammt aus dem Weltall

Außerirdisch: Das Eisen der Bronzezeit stammt aus dem Weltall

Forscher haben festgestellt, dass das wenige Eisen, mit dem in der Bronzezeit gearbeitet wurde, einen besonderen Ursprung hatte: Das All. Das Eisen stammte nämlich von Meteoriten, die auf unserer Erde einschlugen. Die Zusammensetzung des Eisens ist einzigartig, der Nickel- und Kobaltgehalt besonders hoch.

Noch kennen wir nicht alle Geheimnisse der alten ägyptischen Könige. Besonders in den Pyramiden versteckt sich noch so manches Mysterium. Dort lagen auch die persönlichen Gegenstände des alten Pharao Toutankhamon. Um sie rankten sich lange Gerüchte, vor allem war nicht klar, aus welchen Material die Objekte bestanden. Jetzt hat ein französischer Wissenschaftler herausgefunden: Sein Ring, sein Armband und sein Kopfpolster sind aus Metall, das von Meteoriten stammt… das Eisen ist also außerirdisch!

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Doch nicht nur diese ägyptischen Reliquien stammen aus dem Material des Meteoriten, einem Himmelskörper, der die Atmosphäre durchquert, bevor er auf die Erde kracht. Weitere Beispiele der außerirdischen Eisenkunst: Ein türkischer Ring, fabriziert vor 2.500 Jahren in der Ära des Alaca Höyük, oder auch mehrere chinesischen Gegenstände aus der Shang-Dynastie, die zwischen 1570 und 1045 vor Christus in China herrschte.

Bereits zuvor galten die Gegenstände als bemerkenswert, immerhin handelt es sich um Eisen aus der Bronzezeit. Jetzt, wo der Ursprung des Materials bekannt ist, ist der Fund umso sehenswerter.

Eine aufwendige, chemische Analyse

Dank der Analyse von Albert Jambon, Forscher am Institut für Mineralogie und Kosmochemie, kam es zur Entdeckung. Dabei wurde ein besonderes Verfahren verwendet: Die Fluoreszenzspektroskopie. So kann der Ursprung antiker Gegenstände ermittelt werden, ohne sie dabei zu beschädigen.

Die Ergebnisse wurden im Dezember 2017 in der Revue Journal of Archaeological Science veröffentlicht. Sie zeigen, dass all diese Gegenstände aus der Bronzezeit mit Meteoriten-Eisen hergestellt worden sind. „Diese Studie unterstreicht, wie wichtig die Analyse ist. So können wir feststellen, wie sich der Einsatz von Metallen in der Vergangenheit entwickelt hat“, erklärt Albert Jambon in seinem Artikel.

Der Unterschied zwischen außerirdischem Eisen und dem Eisen auf der Erde liegt im Nickel- und Kobaldgehalt. Beim Eisen von unserem Planeten ist der Gehalt niedriger, da sich diese chemischen Stoffe in Richtung Erdkern absetzen. Außerdem kann Erdeisen, so wie es vorgefunden wird, nicht sofort verwendet werden.

Es muss erst „reduziert“ werden, das heißt, ein Teil des Sauerstoffs, der sich daran gebunden hat, muss sich durch Erhitzung absetzen. Beim „Meteoriten-Eisen“ hingegen ist dies nicht nötig: Das Material existiert bereits als fertiges Metall, wenn es mit dem Himmelskörper auf der Erde landet.

Von der Bronzezeit in die Eisenzeit 

So konnten die Schmiede in der Bronzezeit im Handumdrehen einige, seltene Gegenstände aus Eisen herstellen, ohne dass sie das Reduktionsverfahren beherrschten. Doch die Verwendung des Eisens hat schließlich zur Entwicklung des Verfahrens geführt, wodurch mit der Zeit immer mehr irdisches Eisen verwendet und auf das außerirdische Eisen verzichtet wurde.

Diese Entdeckung hat ein neues Zeitalter eingeläutet: Den Übergang von der Bronzezeit in die Eisenzeit. Eine Zeitenwende, die bis heute weitgehend unerforscht ist, doch dank der Fluoreszenzspektroskopie dürften auch die Gegenstände aus dieser Zeit bald erforscht werden.

„Wir wollen jetzt feststellen, wann und wo erstmals irdisches Eisen eingesetzt wurde“, erklärt Albert Jambon. Ein höchst interessanter Ansatz, mit dem weitere Geheimnisse unserer Geschichte schon bald aufgedeckt werden könnten.

• Carina Levent
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