Alle denken, er wurde von einem Bären angegriffen: Das steckt wirklich dahinter

Alle denken, er wurde von einem Bären angegriffen: Das steckt wirklich dahinter

Die Nachricht ist überall im Internet zu finden und doch ist sie falsch: Ein Mann wurde in Russland gefilmt, nachdem er angeblich mehr als einen Monat in einer Bärenhöhle verbracht hatte. Nur, dass die Szene nichts mit einem Bären zu tun hat. Wir zeigen euch, was wirklich dahinter steckt.

In nur wenigen Tagen wird das Video mehrere hunderttausend Mal im Netz angesehen. Und das aus gutem Grund: Die schockierenden Bilder zeigen einen abgemagerten Mann, dessen Haut fast von den Knochen zu fallen scheint. Die belgische Website "RTL Info" titelt mit folgender Überschrift: „Horror in Russland: Alexander wurde in einer Bärenhöhle gefunden und stand kurz davor, gefressen zu werden.“

Die Geschichte, mit großem Potenzial, um sich wie ein Lauffeuer zu verbreiten, wird wie folgt erzählt: Alexander wird angeblich von einem Bären gefangen, der ihn mehr als einen Monat lang in seiner Höhle in Gefangenschaft hält.

Da er wegen seiner Verletzungen nicht entkommen kann, wird er schließlich von einer Gruppe von Hunden gerettet, die seine Fährte aufnehmen und das Tier in die Flucht schlagen. Die Nachrichten, die einem Drehbuch würdig sind, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Nur, dass wir dank einer Untersuchung der AFP heute wissen, dass die Geschichte so nicht stattgefunden hat. 

Weder Russland, noch ein Bär

Es ist wichtig, zu bestätigen, dass das Video echt ist. Es ist kein Trick oder Photoshop. Hier liegt das Problem also nicht - aber überall sonst: Die Szene hat sich nicht in Russland, sondern in Kasachstan abgespielt. Die Informationen werden von Roustem Issajev, dem Direktor des medizinischen Zentrums Aktobe, bestätigt. 

Auf Nachfrage der französischen Presseagentur widerlegt Issajev, dass es sich um einen Bärenangriff handelt. Er stellt klar: Der Zustand des Patienten ist auf eine schwere Form der Schuppenflechte zurückzuführen: „Er kam vor zwei Wochen zu uns, und wir kümmerten uns um ihn. Als sich sein Zustand verbesserte, erlaubten wir ihm, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Er ist kasachischer Staatsbürger und lebt in Aktobe“, sagt Dr. Issajew.

„Er war zu Hause, apathisch und wollte nicht mehr leben“, erklärt er gegenüber der Daily Mail. „Er kümmerte sich nicht um seine Schuppenflechte und kam in diesem Zustand zu uns ins Krankenhaus.“ Nach mehrwöchiger Genesung soll der Mann nach Hause zurückgekehrt sein und sich derzeit in einer ambulanten Behandlung befinden. 

Kritisches Hinterfragen

Wir wissen immer noch nicht, wie und warum die Informationen so verzerrt ins Netz gelangt sind, welchen Weg und welche Umwege es braucht, damit sich Schuppenflechte in einen „Bärenangriff“ verwandelt.

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Heutzutage gibt es eine Fülle von falschen Informationen, die immer schneller und weiter verbreitet werden als die richtigen Nachrichten. Deshalb ist nach wie vor Vorsicht geboten und man sollte seine Quellen stets prüfen, um nicht auf Fake News hereinzufallen. 

Um Fake News schneller zu erkennen und für das Thema zu sensibilisieren, hat die Bundeszentrale für politische Bildung eine eigene Rubrik auf ihrer Internetseite eingerichtet. Dort findet man viele Artikel zum Thema Falschinformationen im postfaktischen Zeitalter.

Maximilian Vogel
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