Radioaktivität

Die russische Wetterbehörde "Rosguidromet" hat am Montag bestätigt, eine erhöhte Konzentration des radioaktiven chemischen Elements "Ruthenium 106" in mehreren russischen Regionen ausgemacht zu haben. Bis dahin hatte Russland abgestritten, der Verursacher der radioaktiven Wolke gewesen zu sein, die kürzlich über Europa hinwegzog.

Die Anschuldigungen verhärten sich. Die mysteriöse radioaktive Wolke, die von 14 europäischen Ländern von Ende Septemper bis Anfang Oktober, beobachtet wurde, stammt aus Russland. Am 20. November hat die russische Wetterbehörde "Rosguidromet" bestätigt, eine erhöhte Konzentration des radioaktiven chemischen Elements "Ruthenium 106" in mehreren russischen Regionen ausgemacht zu haben. 

Eine "extrem erhöhte" Konzentration 

Auch wenn Russland bisher abgestritten hat, der Verursacher der radioaktiven Wolke gewesen zu sein, so bestätigt sich nun die Hypothese, Russland sei deren Ursprung. Durch Simulationen hatten Forscher festgestellt, dass der geographisch wahrscheinlichste Ursprung der Wolke im Bereich zwischen der Volga und dem Ural anzusiedeln sei. Also bei Russland und Kasachstan. Dies hat sich nun bestätigt. 

Laut der Nachrichtenagentur AFP "wurde das Radio-Isotop Ru-106 von den Stationen im Argayashsky und Novogorny Distrikt entdeckt." Diese befinden sich im südlichen Ural, nahe der kasachischen Grenze und haben die Aktivität zwischen dem 25. September und 01. Oktober vernommen. Die höchste Konzentration wurde in Argayashsky mit dem "extremen Wert" des "986-Fachen" über dem Normalzustand gemessen. 

Mitte Oktober versicherte Russlands staatliche Atombehörde Rosatom noch, dass sie "keine Spuren von Ruthenium 106 in Sankt Petersburg, ausgehend der Proben, die zwischen dem 25. September und dem 07. Oktober gesammelt wurden, feststellen konnten." Unter diesen Proben befanden sich auch welche aus dem Ural. 

Genauer Ursprung weiter unklar 

Rosguidromet gab bisher keine Ursache für die erhöhte radioaktive Aktivität bekannt. Doch die Proben in Argayashsky deuten auf eine besondere Anlage hin. Die Station befindet sich keine 50 Kilometer von der kerntechnischen Anlage Majak entfernt, in der vor 60 Jahren einer der größten Atomunfälle der Geschichte geschah. 

Im September des Jahres 1957 sorgte eine Panne im Kühlsystem für eine Explosion, durch die eine große Menge radioaktiver Partikel in die Atmosphäre gelangte und im südlichen Ural abregnete. Einer Studie nach sollen dabei 500 000 Einwohner radioaktiv verstrahlt worden sein. 

Der Unfall wurde auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) mit 6 (von 7) bewertet und ist nicht der einzige Zwischenfall in der Geschichte von Majak. Die Anlage, die heute zur Wiederaufbereitung von atomaren Brennstoffen dient, erfuhr schon andere große Unfälle, neben zahlreichen kleineren. 

Sorge um Nachbarn

Angesichts dieser Enthüllungen rief die Nichtregierungsorganisation Greenpeace Russland in einer Erklärung Rosatom dazu auf, "eine gründliche Untersuchung durchzuführen und Daten über die Ereignisse in Majak zu veröffentlichen." Auch wenn festgestellt wurde, dass die Konzentration in Europa keine gesundheitlichen Konsequenzen für die Menschen oder Einflüsse auf die Umwelt hat, so hat die Wolke viele Bedenken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die nahe gelegenen Bevölkerungsgruppen aufgeworfen.

Nach den Simulationen der Forscher wäre die freigesetzte Menge an Ruthenium-106 sehr hoch gewesen und lag zwischen 100 und 300 Terabecquerel oder tausend Milliarden Becquerel: "Wäre eine Konzentration diesen Ausmaßes aufgetreten, hätte die Bevölkerung im Umkreis von mehreren Kilometern, zu dessen Schutz, evakuiert werden müssen."

Problematisch ist, dass offenbar keine Maßnahmen ergriffen wurden, da es fast zwei Monate dauerte, bis Russland seine Schuld eingestanden hatte. Anfang November hatte Bruno Chareyron, Direktor von CRIIRAD (Kommission für unabhängige Forschung und Information über Radioaktivität) gefordert, "dafür zu sorgen, dass für die umliegende Bevölkerung Schutzmaßnahmen durchgeführt werden, auch wenn diese sehr spät kommen."

Update - 22. November 

Nach der Verkündung des russischen Wetterdienstes Rosguidromet, erklärte Rosatom, dass alle seine kerntechnischen Anlagen in einwandfreiem Zustand seien und dass keine Zwischenfälle verzeichnet wurden, einschließlich der Zeit von September bis Oktober 2017.

"Die radioaktive Strahlung in der Umgebung um die Anlagen der Nuklearindustrie der Russischen Föderation ist unter Kontrolle, sie liegt innerhalb der Norm und entspricht der natürlichen radioaktiven Strahlung", gab das Unternehmen in seiner Erklärung bekannt und bestritt damit den Verdacht um die kerntechnische Anlage Majak.

Das Unternehmen gab weiterhin bekannt, dass die von Roshydromet in der Atmosphäre gemessene Konzentration an Ruthenium 106, Ende September/Anfang Oktober, um das 100 - 10 000 Fache niedriger war, als der erlaubte Höchstwert. Rosatom behauptet, dass diese Werte keine Auswirkung auf die Gesundheit des Menschen haben.

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