Münchhausen-Syndrom

Das Münchhausen-Syndrom ist eine psychische Störung, bei der eine Krankheit erfunden und simuliert wird, um von medizinischen Fachkräften behandelt zu werden. Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung, die dazu führen kann, dass die betroffene Person Medikamente nimmt oder sich selbst verletzt, um die Symptome auszulösen. Eine Variante des Syndroms ist das Münchhausen-Stellvertretersyndrom.

Münchhausen-Syndrom: Krankheitsbild

Das Münchhausen-Syndrom hat seinen Namen vom Baron von Münchhausen, einem Offizier, um den abenteuerliche Geschichten kursierten und der zur Hauptfigur in einem Roman von Rudolph Erich Raspe wurde.

Menschen mit dem Münchhausen-Syndrom erfinden Erkrankungen, um die Aufmerksamkeit der Ärzte zu erregen, ins Krankenhaus eingeliefert oder operiert zu werden. Diese „Pseudo-Patienten“ beschreiben fiktive Symptome, um die medizinischen Fachkräfte davon zu überzeugen, dass sie wirklich eine Krankheit haben.

Um dies zu erreichen, gehen sie so weit, dass sie Medikamente schlucken, um Symptome auszulösen, die den Eindruck erwecken, sie seien krank. Die erkrankte Person kennt die Krankheit, die sie gewählt hat, oft sehr gut und versucht, den Arzt zu dieser Diagnose zu bewegen.

Das Münchhausen-Stellvertretersyndrom

Es gibt noch eine andere Form des Münchhausen-Syndroms, die als Münchhausen-Stellvertretersyndrom bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um einen Elternteil, meist die Mutter, der Pseudo-Krankheiten bei seinem Kind erfindet – auch hier, um die Aufmerksamkeit der Ärzte zu erregen. Die Mutter löst bei ihrem Kind durch die Gabe von Medikamenten Symptome aus, damit ein Arzt eine Krankheit diagnostiziert und eine Behandlung verschreibt.

Die Folgen des Münchhausen-Stellvertretersyndroms können schwerwiegend sein, da das missbrauchte Kind, obwohl es doch ursprünglich gesund war, zahlreiche Behandlungen und manchmal sogar Operationen über sich ergehen lassen muss, welche unumkehrbare Folgen mit sich bringen können. Das Münchhausen-Stellvertretersyndrom wird als eine Art von Kindesmissbrauch angesehen.

Münchhausen-Syndrom: Pseudo-Krankheiten als Symptom

Da das Münchhausen-Syndrom auf dem Erfinden von Pseudo-Krankheiten basiert, können die von den Patienten beschriebenen Symptome sehr unterschiedlich sein. Nachdem die betroffene Person eine Krankheit ausgewählt hat, studiert sie sie und findet Mittel und Wege, um die Symptome der besagten Krankheit auszulösen. Um dies zu erreichen, kann die Person sich zum Beispiel vergiften oder sich verschiedene Traumata zufügen. Hier einige Anzeichen, die Angehörige oder Ärzte darauf hinweisen können, dass möglicherweise ein Münchhausen-Syndrom vorliegt: 

- Die Personen beschreiben häufig die folgenden Symptome: Fieber, Blutungen, Erbrechen oder Krämpfe

- Wirkungslosigkeit der verschriebenen Medikamente

- In Abwesenheit der Eltern werden die Kinder gesund

- Die Symptome treten nur auf, wenn die Person allein ist und nicht vom Arzt untersucht werden kann

- Das Vorliegen von mehreren seltenen Krankheiten bei einem einzigen Patienten

- Der Patient hat eine gut gefüllte Krankenakte in mehreren Krankenhäusern

- Der Patient weist mehrere Narben infolge von Operationen auf

- Beim Münchhausen-Stellvertretersyndrom kann der betroffene Elternteil die Analysen verfälschen (zum Beispiel durch das Zufügen von Blut in Urinproben)

Ursachen des Münchhausen-Syndroms

Die Ursachen des Münchhausen-Syndroms sind noch unbekannt. Betroffene können Persönlichkeitsstörungen aufweisen. Manche haben Traumatismen aus der Kindheit, andere erleben konfliktbehaftete familiäre Beziehungen.

Es gibt keine offiziellen Statistiken über die Anzahl der Personen, die vom Münchhausen-Syndrom betroffen sind, aber es sieht so aus, als wären Männer häufiger von seiner einfachen Form betroffen, während Frauen meist vom Stellvertretersyndrom betroffen sind. Es wurde beobachtet, dass diese Frauen häufig im medizinischen oder paramedizinischen Bereich arbeiten.

Behandlung des Münchhausen-Syndroms

Das Münchhausen-Syndrom ist eine komplexe psychische Störung, was auch auf seine Behandlung zutrifft. Es kann sehr schwierig sein, einer Person beizubringen, dass sie dieses Syndrom hat. Die betreffende Person wird dies oft verneinen und es ablehnen, das Münchhausen-Syndrom anzuerkennen.

Oft ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, um den Patienten zu behandeln. Es ist nicht ausreichend, dass die Person keinen Zugang zu Medikamenten hat, sondern es ist auch erforderlich, dass sie psychologisch oder psychiatrisch behandelt wird. Beim Münchhausen-Stellvertretersyndrom muss das Kind manchmal vom betroffenen Elternteil isoliert werden, um es zu schützen.

In jedem Fall ist eine Therapie unerlässlich, um den Ursprung des Münchhausen-Syndroms zu verstehen.

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