1200 Jahre nach ihrem Tod: Gesicht einer Wari-Königin komplett rekonstruiert

1200 Jahre nach ihrem Tod: Gesicht einer Wari-Königin komplett rekonstruiert

Es ist kaum zu glauben, dass das Gesicht dieser Wari-Königin mit Modelliermasse komplett rekonstruiert werden konnte. Der Schaffer dieses Meisterwerks, Oscar Nilsson, nahm dazu das Skelett einer Königin zum Vorbild, die vor 1200 Jahren an dem Ort lebte, der im heutigen Peru liegt. 

Alles begann im Jahr 2012, als ein peruanisch-polnisches Archäologenteam ein erstaunlich gut erhaltenes Königsgrab in der Stadt El Castillo de Huarmey entdeckte. In dem Grab befanden sich die Überreste von rund 50 Personen, unter ihnen vier königlichen Blutes vom Volk der Wari. Neben den Überresten fanden die Archäologen auch Hunderte von Schmuckstücken und Werkzeugen aus Silber und Massivgold, die von dem Können der wenig bekannten Kultur zeugen.

Die Weberkönigin

Unter den vier beerdigten Königinnen befand sich die Königin von Huarmey, deren Körper in einem einzelnen Raum gefunden wurde, der mit Schmuck und goldenem Werkzeug zum Weben geschmückt war.

Um mehr über das Leben der Königin zu erfahren, haben die Forscher die Eigenheiten ihres Skeletts untersucht.  Dabei fanden sie heraus, dass die Königin offensichtlich viel gesessen hat, wobei sie ihren Oberkörper reichlich strapazierte. Diese Fakten könnten darauf schließen, dass sie sich in ihrem Leben mit der Webkunst befasste, welche in der Kultur der Wari einen hohen Stellenwert hatte. Wie in den meisten indigenen Kulturen dieser Zeit, könnten Kleider als heilig angesehen worden sein. 

Einige Gewänder wurden über Jahrzehnte gewoben, was ihren Wert erhöhte, wie der Archäologe und Entdecker des Grabes, Milosz Giersz, berichtet. Die Fakten um ihr Skelett und den Grabbeigaben sprechen daher dafür, dass die Königin für ihre Webkunst bekannt war.  

Ein Gesicht, wie die Natur es schuf

Doch wie sah die Königin aus, die so viel Macht hatte, dass man ihr ein solch prunkvolles Grab widmete? Im Herbst 2017 kam Milosz Giersz auf die Idee, Oscar Nilsson zu kontaktieren, um mit dem angesehenen, auf Gesichtsrekonstruktion spezialisierten Künstler zusammen das Gesicht der Königin nachzumodellieren, welche zum Zeitpunkt ihres Todes mindestens 60 Jahre alt gewesen sein muss.

Um das Gesicht nachzustellen, bediente sich Nilsson eines 3D-Modells des Schädels der Königin, sowie Fotografien von Knochen von Urvölkern, die in der Umgebung des Fundortes des Grabes gefunden wurden. Für die Rekonstruktion der Gesichtsmuskeln, der Haut, der Augen, der Nase, der Ohren und letztlich der Haare, benötigte der Künstler rund 220 Arbeitsstunden.  

Das Ergebnis der Arbeit wirkt unglaublich echt: „Als ich die Rekonstruktion sah, dachte ich, dass sie einigen meiner indigenen Bekannten aus der Region Huarmey verblüffend ähnlich sieht. Ihre Gene stecken noch immer in ihnen" (Milosz Giersz gegenüber dem National Geographic).

• Carina Levent
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